Problematik der Chromgerbung

 

Tierhäute können mit verschiedenen Gerbstoffen zu Leder verarbeitet werden. Während man ursprünglich pflanzliche Stoffe einsetzte, ging man später zur Verwendung von Chromsalzen über. So wurde bereits 1858 über die „hervorragende Methode der Verwendung von Chrom“ in der chemischen Fachliteratur berichtet.

Ein Hauptgrund, warum Chromsalze bei der Gerbung eingesetzt werden: der Gerb-Prozess ist damit spätestens nach zwei bis vier Wochen abgeschlossen. Die pflanzliche Gerbung kann dagegen zehn, zwölf oder sogar mehr Monate in Anspruch nehmen. Das bedeutet natürlich: mehr Zeit, mehr Arbeit und höheren Materialeinsatz.

Gegerbt wird heute in der Regel mit als ungefährlich geltenden Chrom III-Salzen. Chrom III ist – in sehr kleinen Konzentrationen - ein essentielles Spurenelement und in jedem tierischen und pflanzlichen Gewebe zu finden. Die gesundheitliche Unbedenklichkeit wird jedoch bei hohen bis sehr hohen Chrom III-Konzentrationen zunehmend fraglicher.

Sehr bedenklich ist die umweltschädliche Wirkung von Abwässern, die Chromsalze enthalten.

Neben Chrom III-Salzen treten auch Chrom VI-Verbindungen (Chrom VI-Verbindungen) auf, welche giftig und nachgewiesenermaßen krebserregend sind. Unter bestimmten Bedingungen können sie in Ledern, aber auch im menschlichen Körper aus dem bei der Gerbung verwendeten Chrom III entstehen.

Die Untersuchungsbehörden der Bundesländer haben zwischen den Jahren 2000 bis 2006 etwa 850 Lederproben (Handschuhe, Schuhe, Armbänder etc.) auf ihren Chrom-VI-Gehalt analysiert. Ungefähr jede zweite dieser Proben enthielt die gesundheitsschädliche Chemikalie. Davon überschritt jede sechste Probe einen Anteil von 10 Milligramm Chrom(VI) pro Kilogramm Leder. Der Grenzwert beträgt zum Beispiel für Arbeitshandschuhe 3 Milligramm Chrom VI pro Kilogramm Leder. Schon durch Konzentrationen ab 5 Milligramm pro Kilogramm aber besteht die Gefahr einer schleichenden Immunsensibilisierung, die in eine konkrete Allergie münden kann - insbesondere bei Personen, die bereits zu Hautekzemen neigen. Ein weiterer Risikofaktor ist der Kontakt von chromatbelasteten Lederartikeln mit nicht intakter Haut (Aufrauungen, kleine Verletzungen).

Die Stiftung Warentest hat in der Ausgabe Juli 2013 je 20 Kinderschuhe, Arbeitshandschuhe und Uhrenarmbänder getestet. Bei den Kinderschuhen überschritten 4 den Grenzwert, bei den Handschuhen 6 und bei den Uhrenarmbändern 2. Mit 62 mg/kg war ein Arbeitshandschuh besonders stark belastet. (Vergleiche z. B. „Lederlexikon“ unter www.leder-info.de )

Auch die Entsorgung von Altledern birgt Probleme, denn stark pigmentierte und dazu noch chromgegerbte Leder können nicht ohne weiteres umweltverträglich vernichtet werden. Im Gegensatz zu pflanzengegerbten Ledern setzen sie bei der Verbrennung Dioxin frei, das erst herausgefiltert werden muss. Daher nimmt der Anteil chromfrei gegerbter Leder nach jahrzehntelangem Rückgang gegenüber der Chromgerbung wieder zu. (Aus: www.leder-info.de)